Veranstaltungsreihe zur Revolution 1918/19 - Matrosenaufstand - Münchner Räterepublik

In Zusammenarbeit mit dem AWIRO e.V. bereiten wir aktuell eine Veranstaltungsreihe zur Situation in Deutschland von vor hundert Jahren vor.

Nach und nach gibt es hier alle relevanten Informationen, schaut einfach mal öfter rein.

Bestätigt sind bereits folgende Termine:

Dienstag, 06.11.2018 im Cafe´ MEDIAN (Niklotstr. 5/6)
1918-23 – REVOLUTION in Deutschland
mit Daniel Kulla

Die Novemberrevolution 1918 hat es gerade so ins landläufige Geschichtsbild geschafft, zumindest unter Linken geht sie noch bis Januar 1919 weiter. Der Höhepunkt der revolutionären Bewegung im März 1919 ist hingegen unter den diversen historischen Siegererzählungen fast verschwunden, was auch die Rückschau auf die weiteren Massenstreiks, Sozialisierungen und Erhebungen bis 1923 sowie die Folgegeschichte prägt. (Nazis redeten nicht gern genauer darüber, wen sie da zusammengeschossen hatten und für wen; die SPD redete gar nicht gern darüber, auf wen sie die ersten Nazis so alles hat schießen lassen; die KPD redete nicht ganz so gern darüber, auf wen geschossen wurde, wenn es nicht ihre Leute waren oder sich zumindest als solche reklamieren ließen.)

So ist das wichtigste revolutionäre Vorbild in der deutschen Geschichte genau deshalb fast vergessen, weil es in so hohem Maß selbstorganisiert war und damit nicht in die übliche nationale wie antinationale Vorstellung vom Deutschen passt, sich weder für Vereinnahmung noch als Schreckbild anbietet. Gleichermaßen in Vergessenheit geraten sind die Konsequenzen: Sowohl der Aufstieg des Nationalsozialismus als auch sein konkretes Erscheinungsbild – mehr als bei jedem anderen Faschismus eine Verkleidung als Arbeitskräfterevolution – erscheinen ohne diese Vorgeschichte kaum begreiflich. Kulla schlägt vor, die kommenden fünf Jahre der revolutionären 100. Jahrestage ab November 2018 dazu zu nutzen, diese Geschichte so sichtbar wie möglich zu machen.

 

Anfang November im Cafe´ MEDIAN (Niklotstr. 5/6)
November 1918 - Der verpasste Frühling des 20. Jahrhunderts
Mit Klaus Gietinger

100 Jahre nach dem November 1918 spricht man nur noch vom »Kriegsende«, vom »Zusammenbruch des Kaiserreichs«.
Dabei war die Novemberrevolution tatsächlich ein Aufbruch, ein Aufbäumen gegen die herrschenden Klassen. Matrosen, Soldaten und Arbeiter waren noch bewaffnet – und sie hatten genug von den alten Eliten, sie wollten das allgemeine Wahlrecht, die Sozialisierung, die Zerschlagung des Militarismus und die Revolution – ein für alle Mal, jetzt oder nie!
Klaus Gietinger ruft in Erinnerung, wie die Führung der SPD und der Gewerkschaften den Krieg hingegen bis zum Schluss unterstützten und die Ordnung durch ein Bündnis mit den Militärs aufrechterhalten wollten. Diese unversöhnliche Spaltung der Arbeiterbewegung aber hat der Novemberrevolution den Todesstoß versetzt. Das Ergebnis waren auf Rache sinnende Herrschende in Wirtschaft, Verwaltung und Militär, die den verlorenen Krieg ihren zeitweiligen Verbündeten in den Arbeiterbürokratien geschickt anlasteten und auf eine Diktatur mit neuerlichem Weltmachtsstreben und Krieg hinsteuerten.
Dabei war der Kapitalismus auch international nie so gefährdet wie im November 1918. In zahlreichen europäischen Staaten begehrten die Massen auf. Wäre es in Deutschland gelungen, Basisdemokratie und echte Rätemacht zu verwirklichen, hätte die russische Oktoberrevolution eine Chance auf Humanisierung gehabt, und das 20. Jahrhundert hätte ganz anders verlaufen können.

 

Anfang Dezember im Cafe´ MEDIAN (Niklotstr. 5/6)
Der Kieler Matrosenaufstand und seine Ausbreitung im nordeutschen Raum
mit Christian Lübcke

Der Kieler Matrosenaufstand im November 1918 ist ein in der deutschen Geschichte einmaliges Ereignis. Schnell schlossen sich ihm die Heeresgarnisonen im Reich an. Daß eine derartige Meuterei ausbrechen konnte, versetzte die Öffentlichkeit damals in großes Erstaunen. Niemals hat es in der deutschen Militärgeschichte eine Meuterei von solchem Umfang und mit einer solchen Tragweite gegeben.

Wie war es möglich, daß sich hunderte von Matrosen in Kiel zusammenschließen konnten? Sahen die Sicherheitsbehörden damals einfach tatenlos zu? Was passierte eigentlich auf all den Schiffen, auf denen es doch eine starre Bordhierarchie gab? Wie war es möglich, daß sich die neue Bewegung von Kiel aus verbreitete, wo es doch ein Netz an Heeresgarnisonen über den gesamten Norden und das übrige Reichsgebiet verteilt gab? Waren all die dortigen Soldaten auf einmal bekennende Kriegsgegner und Revolutionäre geworden?

Umfangreiches Quellenmaterial aus verschiedenen Bundes- Staats- und Landesarchiven, aber auch aus den Nachlässen damals unmittelbar beteiligter Personen ist hier verständlich ausgewertet.

 

Anfang 2019 im Ladengeschäft SEQUENTIAL ART (Barnstorfer Weg 24)
Das Wintermärchen - Schriftsteller erzählen die bayerische Revolution und die Münchner Räterepublik 1918/1919
mit Ralf Höller

München, 7. November 1918: Die bayerische SPD hat zu einer Demonstration auf der Theresienwiese aufgerufen. Als sie zu Ende ist, geht der gemäßigte Teil brav nach Hause. Die anderen ziehen in die Stadt. Immer mehr Menschen schließen sich ihnen an. Die Kasernen öffnen die Tore, Soldaten laufen zu den Demonstranten über. Polizeipräsidium, Post, Telegrafenamt, Parlament und Redaktionen werden besetzt. Am nächsten Morgen erfahren die Münchner aus der Zeitung von ihrer Revolution. Sie währt 175 Tage und nimmt immer bizarrere Formen an. Es kommt zum Bürgerkrieg, aus Berlin gesandte Truppen marschieren in Bayern ein. Mehr als tausend Tote bleiben zurück.
Ralf Höller lässt die damals in München lebenden Schriftsteller die Geschichte dieser Revolution erzählen. Rainer Maria Rilke war glühender Anhänger, Thomas Mann zwischen den Extremen hin- und hergerissen, Ernst Toller, Gustav Landauer und Erich Mühsam übernahmen sogar Regierungsposten. Und Lion Feuchtwanger verarbeitete, noch während draußen der Kampf tobte, alles zu einem Drama.

»Wir wollen der Welt das Beispiel geben, daß endlich einmal eine Revolution, vielleicht die erste Revolution der Weltgeschichte, die Idee, das Ideal und die Wirklichkeit vereint.« Kurt Eisner

»Ich bin imstande, auf die Straße zu laufen und zu schreien: ›Nieder mit der westlichen Lügendemokratie! Hoch Deutschland und Rußland! Hoch der Kommunismus!‹« Thomas Mann

»Schade, schade um den einen modellablen Moment zu Anfang November; wie kam der bildsame Stoff in die Daumen der Herren Ebert und Noske?!« Rainer Maria Rilke

 

veröffentlicht am: 
13. September 2018

 

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